Wie entstehen Konflikte im Team – und wie kann Supervision helfen, sie nachhaltig zu klären

05. Januar 2025

Beziehung, Team & Arbeitsdynamiken
Wie entstehen Konflikte im Team – und wie kann Supervision helfen, sie nachhaltig zu klären

Konflikte gehören zum Arbeitsalltag. Warum entstehen sie aus psychologischer Sicht so häufig – selbst in gut funktionierenden Teams?

Konflikte entstehen selten durch fachliche Themen. Sie entstehen durch die psychologischen Prozesse, die zwischen Menschen wirken:

  • unausgesprochene Erwartungen
  • Rollenunklarheiten
  • unterschiedliche Bedürfnisse
  • alte Erfahrungsmuster, die im Team wieder aktiviert werden
  • Missverständnisse, die emotional wirksam werden
  • Belastung, die Kommunikation verengt

Teams reagieren weniger auf Inhalte als auf Beziehungsbotschaften. Ein Satz wie „Das solltest du anders machen” kann, je nach innerem Erleben, bedeuten:

  • „Du machst das falsch.”
  • „Ich vertraue dir nicht.”
  • „Ich nehme dir Kompetenz weg.”

Eine Klientin sagte einmal: „Wir haben uns wegen einer Kleinigkeit gestritten – und erst in der Supervision verstanden, dass es eigentlich um Anerkennung ging.”

Konflikte sind fast immer Ausdruck psychologischer Bedürfnisse, die nicht sichtbar oder nicht adressiert wurden.

Welche typischen Konfliktmuster begegnen Ihnen in Teams?

Es gibt einige wiederkehrende Muster, die in vielen Teams auftreten:

1. Rollenunklarheit

Wenn nicht klar ist, wer entscheidet oder Verantwortung trägt, entstehen Reibungen.

2. Verdeckte Konflikte

Teammitglieder sprechen Probleme nicht offen an – Spannungen bleiben bestehen.

3. Stellvertreterkonflikte

Ein Konflikt steht offiziell für ein Thema, verdeckt jedoch ein anderes.

4. Konflikte zwischen Nähe und Distanz

Wie viel Abstimmung? Wie viel Eigenständigkeit?

5. Macht- und Statuskonflikte

Oft subtil: Entscheidungen werden hinterfragt, Kompetenzen verglichen.

6. Kommunikationsmuster aus früheren Erfahrungen

Zum Beispiel Überanpassung, Rückzug, Angriff oder Ironie – meist unbewusst gelernt.

Eine Führungskraft berichtete: „Ich merkte erst in der Supervision, dass zwei Teammitglieder in alte Rollen aus früheren Jobs gefallen waren – das hatte nichts mit der aktuellen Aufgabe zu tun.”

Supervision hilft, diese Muster sichtbar zu machen.

Wie unterscheidet sich Konfliktbearbeitung in der Supervision von Mediation oder Konfliktmanagement?

Diese Formate werden häufig verwechselt, erfüllen aber unterschiedliche Funktionen:

Supervision

  • betrachtet die psychologischen Hintergründe eines Konflikts
  • analysiert Rollen, Muster, Übertragungen
  • stärkt Reflexion und professionelle Haltung
  • ermöglicht langfristige Veränderung

Mediation

  • löst einen konkreten Konflikt
  • strukturiert Gespräch, Einigung, Kompromiss
  • klärt Inhalte

Konfliktmanagement / Training

  • vermittelt Techniken: Ich-Botschaften, Feedbackregeln, Gesprächsführung
  • arbeitet eher oberflächlich

Teamsupervision geht einen Schritt weiter: Sie fragt nicht nur „Was tun wir?” Sondern „Warum tun wir es so?”

Eine Klientin sagte: „In der Mediation haben wir uns geeinigt. In der Supervision haben wir uns verstanden.”

Wie läuft Konfliktklärung in der Supervision ab?

Typischerweise umfasst der Prozess folgende Schritte:

1. Sammlung der Perspektiven

Alle Stimmen werden gehört – ohne Schuldzuweisung. Schon das reduziert Spannung.

2. Klärung der emotionalen Logik

Welche Gefühle spielen eine Rolle? Was wurde nicht gesagt? Welche Bedürfnisse stehen dahinter?

3. Analyse der Dynamik

Hier entsteht die eigentliche Wirkung:

  • Wer übernimmt welche Rolle?
  • Wer fühlt sich übergangen, nicht gesehen oder überfordert?
  • Welche Muster wiederholen sich?

4. Strukturierung und Entschlüsselung

Was braucht das Team, um wieder arbeitsfähig zu sein?

5. Entwicklung neuer Kommunikationswege

Nicht als Technik, sondern als gemeinsamer Prozess.

6. Transfer in den Alltag

Wie lässt sich die neue Klarheit stabil halten?

Eine Klientin formulierte: „Wir mussten gar nicht alles ausdiskutieren. Wir mussten verstehen, was wir auslösen.”

Was verändert Teams, wenn sie Konflikte in der Supervision bearbeiten?

Teams erleben häufig:

  • mehr Offenheit
  • weniger Spannungen
  • klarere Rollen
  • schnellere Entscheidungen
  • weniger persönliche Verletzungen
  • mehr psychologische Sicherheit
  • strukturiertere Kommunikation
  • eine neue Art, Kritik auszutauschen
  • mehr Vertrauen und Stabilität

Ein Team sagte nach einer Supervision: „Der Konflikt ist nicht weg – aber er hat seinen Schrecken verloren.”

Genau das ist das Ziel: Konflikte verlieren ihre Bedrohung und werden zu einem Zugang für Entwicklung.

Ihr Weg zu klarer, professioneller und psychologisch fundierter Konfliktbearbeitung

Konflikte verschwinden nicht durch Regeln oder Methoden. Sie verändern sich, wenn ihre psychologische Logik verstanden wird. In der Supervision entsteht ein Raum, in dem Teams erkennen, was zwischen ihnen wirkt – und wie sie diese Dynamiken konstruktiv gestalten können.

So entsteht nicht nur Konfliktlösung, sondern eine neue Qualität von Zusammenarbeit: klar, stabil und entwicklungsfähig.


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